Woher Leistenschmerzen bei Sportlern kommen
In der Leiste treffen mehrere Strukturen zusammen, die große Kräfte übertragen: die Adduktoren des Oberschenkels, der Iliopsoas, die Bauchmuskeln, die an der Schambeinfuge ansetzen, und das Hüftgelenk selbst. Im Fußball und im Eishockey belastet sie jeder Schuss, jedes Abdrücken und jeder abrupte Richtungswechsel. Wenn die Zahl dieser Reize schneller steigt, als sich Muskeln und Sehnen daran anpassen können, entsteht Schmerz – meist schleichend, ohne eine einzelne klare Verletzung.
Über Jahre wurden viele Begriffe verwendet, die in verschiedenen Ländern Unterschiedliches bedeuteten. Ordnung brachte der Doha-Konsens (2014), der Leistenschmerzen in vier klinische Kategorien einteilt: adduktorenbezogen, iliopsoasbezogen, leistenkanalbezogen und schambeinbezogen. Gesondert beschrieben wurden Schmerzen, die vom Hüftgelenk ausgehen, z. B. beim femoroazetabulären Impingement (FAI), sowie andere Ursachen, die eine ärztliche Diagnostik erfordern.
Wie wir die Schmerzquelle unterscheiden
Am häufigsten ist der adduktorenbezogene Schmerz: Druck auf den Sehnenansatz am Schambein und das Zusammendrücken der Knie gegen Widerstand tun weh. Der iliopsoasbezogene Schmerz verstärkt sich beim Beugen der Hüfte gegen Widerstand und beim Dehnen der Oberschenkelvorderseite. Der leistenkanalbezogene Schmerz ist über dem Leistenband zu spüren, oft beim Husten oder bei Bauchübungen, der schambeinbezogene direkt über der Schambeinfuge.
Sehr hilfreich ist der Adduktoren-Krafttest: Dabei wird ein Ball oder ein Messgerät zwischen den Knien zusammengedrückt. Er zeigt sowohl den Schmerz als auch ein Kraftdefizit und misst, alle paar Wochen wiederholt, den Fortschritt. Wir untersuchen auch das Hüftgelenk – wenn die Beschwerden auf ein Problem im Gelenk hindeuten, lesen Sie mehr dazu auf der Seite über Hüftschmerzen.
Therapie – Adduktorenkraft an erster Stelle
Die am besten belegte Methode bei adduktorenbezogenem Schmerz ist ein aktives, gestuftes Krafttraining. Wir beginnen mit isometrischen Übungen, gehen zur Arbeit gegen Widerstand und zur Copenhagen-Übung (Copenhagen adduction) über und kräftigen parallel die Bauch- und Gesäßmuskulatur. Manuelle Therapie und Weichteilbehandlung können den Schmerz in den ersten Wochen senken, ersetzen aber nicht das Training.
Bei Beschwerden, die erst seit Kurzem bestehen, tritt eine Besserung meist innerhalb weniger Wochen ein. Schmerzen, die schon viele Monate andauern, erfordern eine längere Behandlung und eine geduldige Steigerung der Belastung.
Bei iliopsoas- und schambeinbezogenem Schmerz ist das Prinzip ähnlich, aber die Schwerpunkte verschieben sich: mehr Kraftarbeit für die Hüftbeuger und die Bauchmuskulatur, vorsichtigere Dosierung von Sprints und Schüssen. Ist das Hüftgelenk die Quelle, kommen Übungen zur Beckenkontrolle und die Wahl von Bewegungsumfängen hinzu, die keinen Schmerz provozieren. Bei vielen Spielern überschneiden sich die Kategorien, deshalb legen wir das Programm individuell fest und nicht nach einem einheitlichen Schema.
Rückkehr ins Spiel und wann Sie kommen sollten
Die Rückkehr ins Spiel erfolgt in Etappen: Laufen geradeaus, Beschleunigungen, Richtungswechsel und zuletzt Schüsse mit zunehmender Kraft. Über den nächsten Schritt entscheiden ein nicht zunehmender Schmerz und das Ergebnis des Krafttests – nicht allein die Zahl der Tage. Das Ganze findet im Rahmen der Sportphysiotherapie statt, mit einem Übungsplan, den Sie am besten dauerhaft beibehalten.
Prävention spielt hier eine große Rolle. Regelmäßiges Krafttraining der Adduktoren, z. B. die Copenhagen-Übung mehrmals pro Woche in der Saisonvorbereitung und einmal pro Woche während der Saison, senkt bei Fußballern das Risiko für Leistenprobleme. Achten Sie außerdem auf sprunghafte Belastungssteigerungen – besonders zu Beginn der Vorbereitung und nach einer Pause.
Wenn die Leistenschmerzen jede Saison wiederkehren oder trotz Spielpause nicht verschwinden, vereinbaren Sie einen Termin über die Seite Kontakt.