Was das Piriformis-Syndrom ist
Der Piriformis (birnenförmiger Muskel) liegt tief im Gesäß unter dem großen Gesäßmuskel und verläuft vom Kreuzbein zum großen Rollhügel des Oberschenkelknochens. Direkt daneben – und bei manchen Menschen teilweise durch den Muskel hindurch – verläuft der Ischiasnerv. Beim Piriformis-Syndrom wird angenommen, dass ein überlasteter oder gereizter Muskel den Nerv reizt und Schmerzen im Gesäß verursacht, die manchmal entlang der Oberschenkelrückseite ausstrahlen.
Ehrlicherweise muss man sagen, dass diese Diagnose umstritten ist. Es gibt keinen Test, der sie eindeutig bestätigt, und in der Praxis wird sie deutlich häufiger gestellt, als es die Studienlage rechtfertigen würde. Viele Menschen mit dieser „Diagnose“ haben in Wirklichkeit einen Ischias, ausgelöst durch die Reizung einer Nervenwurzel in der Lendenwirbelsäule – und dann bringt eine Behandlung, die sich nur auf das Gesäß konzentriert, wenig.
Wie wir es von Ischias und Hüftschmerzen unterscheiden
Wir beginnen die Untersuchung an der Wirbelsäule, nicht am Gesäß. Wir prüfen Sensibilität, Kraft und Reflexe, führen neurodynamische Tests durch und beobachten, ob Bewegungen der Lendenwirbelsäule die Beschwerden im Bein verändern. Ist das der Fall, liegt die Ursache höchstwahrscheinlich weiter oben. Anschließend beurteilen wir das Hüftgelenk und das Iliosakralgelenk, denn Schmerzen in dieser Region stammen häufig genau von dort – mehr dazu auf den Seiten zu Hüftschmerzen und ISG-Schmerzen.
Erst wenn diese Ursachen die Beschwerden nicht erklären und sich der bekannte Schmerz durch Druck tief im Gesäß sowie durch Tests, die diese Region belasten, auslösen lässt, ziehen wir ein Problem der tiefen Gesäßmuskulatur in Betracht. Schmerzen in Gesäß und Wade, die beim Gehen auftreten und beim Stehenbleiben verschwinden, können eine Gefäßursache haben oder auf eine Verengung des Wirbelkanals zurückgehen – dann überweisen wir Sie an einen Arzt.
Behandlung – was hilft
Weist die Untersuchung auf die Gesäßregion hin, beginnen wir damit, die Reizung zu verringern. Wir setzen Manuelle Therapie des Weichgewebes, Techniken der Nervenmobilisation und bei Bedarf Dry Needling ein. Ebenso wichtig ist es, das zu ändern, was das Problem unterhält – langes Sitzen auf hartem Untergrund oder plötzlich gesteigerte Laufkilometer.
Grundlage der weiteren Arbeit ist die schrittweise Kräftigung der Gesäßmuskulatur und der Hüftrotatoren sowie die Beckenkontrolle bei Bewegungen auf einem Bein. Dehnen und Faszienrolle allein bringen meist nur kurz Erleichterung, deshalb betrachten wir sie als Ergänzung und nicht als Hauptbehandlung. Die Besserung kommt schrittweise – erste Veränderungen meist nach einigen Wochen regelmäßiger Arbeit.
Bei Läufern und Radfahrern prüfen wir zusätzlich, wie sich der Trainingsumfang in den letzten Wochen verändert hat und wie die Hüfte arbeitet, wenn Sie auf einem Bein stehen. Hier liegt oft die Antwort auf die Frage, warum das Problem überhaupt entstanden ist.
Wann Sie kommen sollten und was Sie erwartet
Ein Termin lohnt sich, wenn die Gesäßschmerzen länger als zwei bis drei Wochen anhalten, das Sitzen erschweren oder beim Laufen oder Radfahren wiederkehren. Beim ersten Termin klären wir, woher die Beschwerden tatsächlich kommen. Stellt sich heraus, dass es nicht der Piriformis ist, sondern die Wirbelsäule oder die Hüfte, sagen wir Ihnen das offen und ändern den Plan sofort. Wenn Sie diese Diagnose bereits erhalten haben und seit Monaten ohne Erfolg das Gesäß dehnen, bringen Sie bisherige Befunde und Behandlungsberichte zum Termin mit – das hilft, die Ursache schneller einzugrenzen. Einen Termin vereinbaren Sie über die Seite Kontakt.